Donnerstag, 23. März 2017

Diabolic [Rezension]

Während ich die Tage gemütlich durch meinen Blog scrolle und mir ebenso gemütlich und zufrieden denke, dass ich aktuell keine ausstehenden Rezensionen habe, stelle ich plötzlich bestürzt fest, dass ich vollkommen auf das folgende Buch vergessen habe! Dabei war es soweit eigentlich eine nette Leseunterhaltung, es ist also durchaus dazu berechtigt eine angemessene Rezension zu erhalten! Man beame es flott hinterher!




Inhalt:


Das Mädchen Nemesis wurde lediglich zu einem Zweck erschaffen: ihre Herrin zu beschützen und all deren Feinde gnadenlos aus dem Weg zu räumen. Sie gehört zur Gattung der Diabolics, bei denen Gefühle nur hinsichtlich der Prägung auf jeweils eine Bezugsperson möglich sind. Für ihre Herrin Sidonia würde Nemesis alles riskieren und diese Möglichkeit tut sich in dem Moment auf, da Sidonia persönlich zum Hof des verfeindeten Kaisers zitiert wird. An ihrer Stelle macht sich Nemesis auf, den lebensgefährlichen Intrigen des Reiches entgegen zu treten.

Mistys Meinung:


Ich denke ich habe in den letzten Jahren oft genug damit getönt, dass ich Dystopien nicht wirklich ausstehen kann, da ich bisher leider einige recht mittelmäßige bis schlechte Titel in meinem Leseleben erwischt habe. Entsprechend verhalten und vorsichtig war ich diesem Buch gegenüber, dass ich eigentlich nur dank der lieben Eulenbloggerin Insi überhaupt in Angriff genommen habe.

Das hätte ich allerdings gar nicht sein müssen, da mich die Story dank der beständig anhaltenden Spannung sofort für sich gewinnen konnte. Zwar hatte die beschriebene Science-Fiction Welt für mich zunächst einige logische Lücken (und genau das stellt bei mir immer das größte Problem in diesem Genre dar), allerdings wurden diese beinahe alle nahtlos innerhalb weniger Kapitel von der Autorin selbst geschlossen. Sobald ich also dachte "ha, das passt so aber nicht zusammen" schienen meine Zweifel gehört zu werden und die Geschichte flüsterte "doch, in diesem speziellen Fall ergibt sich folgende logische Ausnahme...". Damit gab ich mich Großteils zufrieden und konnte der Handlung wieder entspannt folgen.

Die Hauptfigur Nemesis konnte ich soweit sehr gut leiden und ihre Abenteuer und ihre Entwicklung waren für mich nachvollziehbar -wenngleich alles auf der Jugendliteraturstufe ablief-. Dass sie ihrer eigenen Handlungsrahmen abseits ihres Herrenhauses bekommt fand ich sehr wichtig, ein wenig störend war jedoch, dass immer wieder (teils etwas lästige) Verbindungen zurück in diese Richtung gelegt wurden, die ich persönlich (und auch Lesepartnerin Insi) nicht wirklich notwendig fanden. Sie selbst als eigenständiger Charakter war soweit unterhaltsam genug und schließlich bekommt sich auch noch von Tyros, de Neffen des Kaisers strategische Unterstützung in ihrem Kampf gegen das korrupte Imperium.

Besonders gelungen fand ich aber ganz klar die Beschreibungen von Nemesis Umgebung, also all die beeindruckenden Raumschiffe in welchen sie sich aufhält und die kleine Welt, die durch deren Zusammenlegung entsteht. Weder an weitelosen Weltraumbeschreibungen noch Tänzen in der Schwerelosigkeit fehlt es dieser Geschichte und dadurch wurde mir wirklich sehr große Lust auf weitere Science Fiction Bücher gemacht. Dabei sind die verschiedenen Darstellungen natürlich keineswegs zu wissenschaftlich angelegt, also auch ein weniger technisch versierter Leser kommt ganz auf seine Jugendliteraturkosten.

Ich weiß ich betone die Jugendliteratur vermehrt und möchte es nochmals tun; denn was den Handlungsfortlauf, den Spannungshöhepunkt und die Figuren selbst angeht haben wir hier ganz klar alle typischen Merkmale des YA Genre abgehakt, das Rad wurde also keineswegs neu erfunden (braucht ein Raumschiff aber auch gar nicht -HA! Meine Wortwitze sind auch jenseits dieser Galaxie). Wenn man sich in diesem Bereich aber so wohl fühlt wie ich, tut das der Lesefreude natürlich keinen Abgang und originell daran ist immerhin, dass man in eine künftige Welt im Weltraum eintauchen darf.

Fazit:


Eine gut unterhaltende Science-Fiction Dystopie, die mir die Lust am Genre wieder zurück brachte, wenngleich sie auch ein paar kleinere Schwächen hatte, die sie mich dennoch nicht aus der Hand legen haben lassen.

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Titel: Diabolic
Autorin: S.J. Kincaid
Verlag: Arena
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 488 Seiten
Reiheninfo: Band 1/3

Sonntag, 12. März 2017

Ein wenig Leben [Rezension]

Noch vor dem Frühling werde ich von der ersten Leseflaut des Jahres heimgesucht. Zwar hätte ich durchaus Lust zu lesen, aber nach diesem Buch will mir keine Geschichte so recht hehagen. Klassischer Book Hangover! Heute muss Nabu übrigens ein wenig auf seinem Regal verstauben, da ich dieses Bild mit Bernd viel zu gelungen finde, um es durch irgendein anderes auszutauschen.


Inhalt:


Die vier jungen Männer Jude, Willem, Malcom und JB lernen sich auf dem College kennen und alsbald verbindet sie eine enge Freundschaft und sie geben einander Einblicke in ihr jeweiliges Privatleben. Einzig Jude lässt niemanden an sich heran, wenngleich er sonst jeden Einsatz für die anderen bringt. Erst über viele, viele Jahre schöpft er ausreichend Vertrauen zu Willem, um ihm ein paar Einblicke in seine furchtbare Vergangenheit zu gewähren, was die beiden eine besondere Beziehung zueinander aufbauen lässt.

Mistys Meinung:


Hypes im Jugendbuchbereich schießen jährlich schneller hervor als die Kirschenknospen vor meiner Haustür und ein jeder wird höher gelobt als der andere. In der Belletristik bekomme ich solche Preisungen jedoch sehr selten mit, weswegen sie mich natürlich viel mehr beeinflussen - so auch in diesem Fall. Wie kann ein Buch die verschiedenen Lesegemüter derart beeindrucken, dass es in der Literaturszene in jedem Gespräch mindestens zweimal fällt?

Nun, ich kann hier wirklich nur subjektiv sprechen (aber meine Rezensionen sind ohnehin immer sehr sehr subjektiv), denn ich möchte vor allem von der Wirkung berichten, die diese Geschichte auf mich hatte. So hat es mich seit Ewigkeiten wieder dazu gebracht, dass ich in der Nacht stundenlang nicht einschlafen konnte, weil mich die Handlung so belastet und aufgewühlt hat. Total übernachtig, bestückt mit Augenringen, die einem Zombie imponiert hätten traf ich dann des morgens noch auf meine liebe Arbeitskollegin im Bus, die ebenso aus der Wäsche schaute, weil auch sie es nicht aus der Hand hatte legen können. Entsprechend oft haben wir dieses Buch in der Buchhandlung auch empfohlen und ich befürchte in nächster Zeit wird man auf viele Menschen mit mächtigen Augenringen im Bus treffen.

Dieses Buch hat mich also wirklich bewegt, auch wenn es zum Teil einen sehr negativen Effekt auf meine Stimmung hatte (aber schön wenn Bücher das zustande bringen). Viele brichten übrigens, dass sie ständig den Tränen nahe waren, mich hingegen machte es über weite Strecken vielmehr wütend (nicht das Buch selbst, sondern was Jude alles zustößt). Man sollte sich also vor dem Lesen darauf einstellen, dass einen das Schicksal der eigentlichen Hauptfigur -und das ist der faszinierende Jude- garantiert nicht kalt lassen wird. Welche Stimmung es dabei herauf beschwört hängt wohl vom Leser selbst ab.

Auch wenn ich mir zu Beginn der Geschichte eine Notizliste zusammen gestellt habe, um die ganzen Eigenschaften der vier Freunde auseinander zu halten, finde ich nicht, dass es sich hier um ein sonderlich hochtrabendes Buch handelt, es sollte also keiner davor zurückschrecken, dass dieses Buch "zu hoch" wäre. Die Story und ihre Figuren sind zwar sehr dicht -schließlich haben sie auch fast 1000 Seiten um sich auszubreiten- aber trotzdem liest es sich sehr gut und man kommt leicht in einen Flow und praktisch nie ins Stocken. Ich kann selbst kaum glauben, wie schnell ich mit diesem Brummer durch war und kann nur jedem empfehlen sich nicht von der Dicke abschrecken zu lassen!

Ich habe mir übrigens auch einige der negativen Rezensionen durchgelesen und muss zugeben, dass ich einige Kritikpunkte davon durchaus gerechtfertigt finde -so etwa die Anklage, die Hauptfigur wäre zu apologetisch und würde massiv im Selbstmitleid versinken. Auch ich habe mich zum Teil ein wenig davon gestört gefühlt, aber trotzdem konnte es mich nicht davon abhalten, vollkommen von der Handlung gefesselt zu werden. Hätte ich eine Richterskala bekäme es dennoch volle 5 Sterne und die zeichnen sich bei mir nunmal dadurch aus, dass ich es täglich weiter empfehle.

Fazit:


Spannend, packend, fesselnd, verstörend. Fünf schlaflose Nächte später vergebe ich ebenso viele Sterne und eine Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Hanser-Verlag für die Bereitstellung dieses Leseexemplares.

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Titel: Ein wenig Leben
Autorin: Hanya Yanagihara
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 960 Seiten

Sonntag, 5. März 2017

Gelesen im Februar [Statistik]

Kurzer Monat - wenig Posts. Da nimmt das Jahr ja auch schon ordentlich Fahrt auf, hier geht es allerdings relativ ruhig zu. Macht nichts, sage ich mir, ich war im Februar nicht sonderlich schreibfreudig, dafür habe ich Stunden um Stunden um Stunden gelesen und viele tolle Seiten genossen. Auf den ersten Blick mag die Ausbeute karg wirken, doch lasst euch nicht täuschen - in ihr steckt geballte Seitenpower.




  • Hanya Yanagihara: Ein weng Leben
  • S. J. Kincaid: Diabolic
  • Kazuto Okada: Sundome (Vol. 1-8)
  • Nase Yamato: Kyoushi mo IroIro Aru Wake de (Vol. 1-5)
  • Yusei Matsui: Assassination Classroom (Vol. 1)

  • Gelesene Bücher: 2
  • Gelesene Mangas: 14

  • Gelesene Seiten: 3532
  • Gelesene Seiten/Tag: 107

Zwei Bücher wirken auf den ersten Blick etwas wenig, doch hatte ich mit knapp 500 mit dem ersten und fast 1000 Seiten mit dem zweiten Schmöker ordentlich was zu tun. Diabolic, das ich mit der lieben Insi gemeinsam gelesen habe, war wider Erwarten (trotz einiger Schwächen) ein ziemlich feines Lesevergnügen, das mich sogar dazu gebracht hat meine negative Einstellung gegenüber Jugendbuch-Dystopien zu relativieren. Ein sehr spontaner Griff war meine Leseerlebnis mit Ein wenig Leben, das ich aufgrund des Hypes einfach nicht verschmähen konnte.

Trotz der vielen Seiten, bin ich etwa ab der Hälfte derart durchgemäht (weil es so spannend, und furchtbar und furchtbar spannend und schrecklich und empörend und und und und war), dass ich viel schneller fertig war als erwartet. Falls jemand mit mir über dieses Buch sprechen möchte - ich bin sofort dabei, auch mitten in der Nacht (so habe ich dank dieses Buches erstmals seit Ewigkeiten wieder bis in die Morgenstunden gelesen)! Rezensionen zu beiden Büchern folgen in den nächsten Tagen.

Sehr intensiv habe ich mich im Februar auch erstmals Mangas gewidmet, die ich eigentlich schon sehr lange auf dem Radar hatte, aber nie wirklich angemessen konsumieren konnte, da ich kein geeignets Format gefunden habe (Handy zu klein, eReader nicht gut blätterbar, Laptop ungemütlich und die eigentlichen Büchlein wegen Platzmangel auch nicht akzeptabel). Nach langem Überlegen bin ich nun tatsächlich auch Besitzerin eines Tablets und ich muss gestehen (so sehr ich mich einst gegen Smartphones, eReader usw gewehrt habe), dass ich es schlichtweg liebe. Ich konnte problemlos meine bisherigen eBooks synchronisieren, sodass sie nun in einer virtuellen Bibliothek auch in Farbe erstrahlen. Ich komme mir zwar etwas vermessen und dekadent vor, zu soviel Selbstreflektion bin ich durchaus fähig, was aber nichts daran geändert hat, wie sehr ich das Lesen darauf genossen habe.

Da ich bei Mangas bisher noch nicht wirklich Fuß gefasst hatte, habe ich mich nach einiger Recherche einfach ein wenig zufällig in diese Welt fallen lassen und zwei etwas ungewöhnliche Reihen begonnen (für Anfänger meiner Meinung nach) und zwar sogleich im Ecchi und Yaoi Genre. Allerdings war ich erstaunt wie gut mir Sundome (trotz einiger krasser Überzeichnungen) und  Kyoushi mo IroIro (das auf Deutsch unter dem Titel "Ein Lehrer zum Verlieben läuft) gefallen haben. Vielleicht nehme ich mir demnächst die Zeit beide Reihen zu rezensieren.

Da ich jetzt endgültig behaupten kann, dass ich fast alles was es in der buchigen Welt analog und digital zu konsumieren gibt, probiert habe (Hörbücher, Comics, Mangas...) sorge ich damit für optimale (und zeitweise auch leicht überforderte) literarische Auslastung im März.

Eine schöne Lesezeit!

Sonntag, 12. Februar 2017

Zorngebete [BD-Rezension]

Wie bei mir so üblich eskaliere ich gerne einmal, wenn ich ein neues Medium/Genre entdecke, das mich begeistert. Soll heißen, alle anderen Hobbies und vor allem Leseleidenschaften werden erstmal in den Hintergrund gedrängt. So habe ich mich im Februar bisher hauptsächlich quer durch unterschiedliche Manga-Reihen gelesen und war damit eigentlich ausreichend okkupiert. Da ich diese allerdings vermutlich nur Reihen oder zumindest in 10er Bände-Etappen rezensieren werde habe ich nun die Gelegenheit alle ausstehenden Rezensionen nachzuholen.


Inhalt:


Die junge Jbara fristet ein ärmliches, von Männern dominiertes Leben in einem scheinbar gottverlassenen Dorf mitten in der Wüste. Doch sie glaubt fest an Gott, nur erwünscht sie sich von ihm ein anderes, weltverbunderes Leben. Ihr Wunsch wird erfüllt, als ein Koffer bestückt mit teuren Gewändern und Geld von einem passierenden Touristenbus fällt. Verwegen macht sich Jbara mit diesen Reichtümern in die Stadt auf, doch hat sie ihre Vergangenheit und Abhängigkeit mit im Schlepptau.

Mistys Meinung:


Dieser Comic, der eine bildreiche Adaption des Romans von Saphia Azzeddine darstellt, hat mich eindeutig alles andere als kalt gelassen. Als große Freundin fantasievoller Unterhaltungsliteratur in der Comic Sektion bin ich ernste Themen nur aus der Belletristik gewöhnt, ich hatte also keine Ahnung wie gut sie gerade auch in Bildern wirken können. Die Geschichte und ihre starken Zeichnungen haben mich daher sehr beeindruckt und gleichzeitig auch schockiert, sodass ich erst einige Wochen verstreichen lassen musste, um mir in Ruhe meine Gedanken darüber zu bilden.

Nun kann ich aber sagen, dass ich erstaunt bin wie gut die beiden Hauptelemente Emanzipation und Religion in dieser Geschichte ineinander greifen. Gerade im Islam müssten sich diese beiden Einheiten eigentlich schärfer konkurrieren (oder erliege ich Vorurteilen?), doch in diesem Buch führen sie durchaus eine friedliche Koexistenz, was nicht heißt, dass die Hauptfigur nicht mehrmals an ihrem Glauben zweifelt. Trotzdem bleibt sie durch ihn bestärkt und sucht ihren Weg in die Unabhänigkeit, der erschreckenderweise aber vorerst nur durch Prostitution funktioniert. Doch Jbara lotet ihre Grenzen aus und gewinnt an Macht und Reichtum, wo sie kann, ohne irgendeine Form der Reue oder Erniedrigung zu zeigen. Wenn überhaupt scheinen ihr manche Eskapaden lästig zu fallen, aber an ihrem Werdegang lässt sie sich nicht hindern.

Was mich an ihr als Figur aber besonders beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass in ihren teils zornigen Anrufen an Gott zwar gewissen Klagen ausspricht, aber keine Schuldigen sucht, vielmehr stellt sie klare Fakten in den Raum, die sie aber auch als solche akzeptiert, ganz gleich wie hart es sie im Leben erwischt. Dabei fand ich es sehr passend, dass sie sich zwar positiv entwickelt und auch versucht an Bildung zu gelgangen, sie diese Möglichkeiten aber immer nur durch die Macht und Hilfe von Männern wahrnehmen kann. Diese Wendungen erschienen mir einfach authentischer, wenngleich sie natürlich auch sehr hart mit anzusehen sind. Trotzem wird beiweiten kein rein negatives Bild von ihren Helfern gezeichnet und diese Ambivalenz habe ich wirklich genossen, da sie mir ebenfalls sehr realistisch erschienen ist.

Die Zeichnungen konzentrieren sich sehr stark auf die handelnden Figuren, insbesondere auf deren Gesichter und die entsprechende Mimik. Dadurch wurden sie für mich besonders aussdrucksstark und ich konnte die Gedanken und Gefühle sehr gut nachempfinden. Brutale Szenen wurden manchmal nicht explizit gezeichnet, wodurch sie aber ihre Wirkung nicht verloren haben, da sie so die Vorstellungen des Lesers natürlich zusätzlich anheizen. Grunsätzlich drängt der Comic den Lesenden keine direkte Meinung oder Message auf, es bleit einem ganz selbst überlassen, wie man die Geschichte letztlich auslegen möchte.

Fazit:


Eine überaus gelungene, ernstzunehmene Geschichte, die eine starke Frau mit einem starken Glauben versieht und durch aussdrucksstarke Bilder zum Leben zu erwecken weiß. Emanzipation einmal anders.

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Titel: Zorngebete
Illustratoren: Eddy Simon, Marie Avril
Verlag: Splitter
Sprache: Deutsch
Gebundener Comic: 86 Seiten

Sonntag, 5. Februar 2017

Ein Meer aus Tinte und Gold [Rezension]

An und für sich wollte ich dieses Jahr wieder ein wenig mehr vom Jugendbuch wegkommen, um mich mehr der Belletristik und anderen schönen Genres zu widmen, die in letzter Zeit sträflich vernachlässigt wurden. Das hat ja super geklappt - NOT! Jugendbücher sind für mich gewissermaßen die Süßigkeiten der Unterhaltungsliteratur und ich kann einfach nicht die Finger und Augen von ihnen lassen.




Inhalt:


Seit ihrer Kindheit befindet sich die junge Sefia auf der Flucht und ist es gewohnt sich durch die Wildnis zu schlagen, um ihren Verfolgern zu entkommen. Erst als ihre Tante Nin, ihre letzte lebende Bezugsperson gefangen genommen wird, beschließt sie den Spieß umzudrehen und erklärt sich selbst zur Jägerin. Dabei traut sie sich erstmals seit dem Tod ihrer Eltern an deren Vermächtnis, ein großes ledergebundenes Buch, heran und ahnt noch nicht, dass ihr die Figuren, die darin auftauchen bald zu Hilfe kommen werden.

Mistys Meing:


Bücher über das Buch im Buch gibt es zuhauf, schließlich schreiben Bibliophile gerne etwas für Bibliophile. Ich bin was dieses Motiv angeht jedoch mittlerweile ein wenig vorsichtig, wenn nicht sogar kritisch geworden, einige dieser Geschichten spielen schließlich immer wieder mit denselben, typischen Bezugspunkten (Seitengeruch, mehr Bücher als man lesen kann etc. etc.) eines Literaturfeundes. Hier wurde ich jedoch wieder einmal positiv überrascht und davon möchte ich gerne berichten.

Was mir an diesem Buch sogleich positiv aufgefallen ist sind die vielen kleinen Hinweise bzw. "Easter Eggs", die sich überall auf den Seiten finden lassen, besonders wenn man sehr genau liest. Kritzeleien, Ausschwärzungen, Fingerabdrücke usw. Für solche Besonderheiten außerhalb der eigentlichen Geschichte bin ich immer zu haben, in diesem Falle fand ich die Verbinungen zum Plot aber besonders gut gelungen (näher möchte ich darauf nicht eingehen, sonst hätten wir hier sogleich einen Spoiler-Alert). Dadurch wurde meine Aufmerksamkeit auf jeden Fall geschärft und ich finde es wunderbar wie die Fäden hier zuletzt zusammen laufen.

Die Figuren waren nicht übermäßig außergewöhnlich, aber wenigstens ist es im Falle von Sefia nachvollziehbar, warum sie die gewohnt kühle und harte Heldin abgibt. Ihre Reaktionen waren soweit solide und somit hatte ich in dieser Hinsicht nichts weiter zu beklagen. Sprachlich war ich meistens ebenfalls zufrieden, allerdings hat sich die Autorin zu Beginn ein paar tollpatschige Schnitzer erlaubt, die ich normalerweise eigentlich nicht gutheiße. Manche Formulierungen sind nämlich etwas übertrieben poetisch, mir wäre es lieber gewesen sie wäre ein wenig mehr auf dem Boden geblieben. Aber diese kleinen Mängel konnten mich nicht am weiteren Lesegenuss hindern, da ich es ausgesprochen spannend fand, wie sie die Figuren im Buch des Buches, also jene über die Sefia liest in die Hauptgeschichte einfließen lässt. Umso mehr, da es sich dabei um die Besatzung eines Piratenschiffes handelt. Eine gewagtes aber in diesem Fall sehr gut durchgezogenes Highlight für die ganze Story.

Auch andere Helden und deren Geschichte werden sehr geschickt mit dem Hauptstrang verbunden und ich erlebte die eine oder andere Überraschung. Die beschriebenen Inselreiche fand ich zumden als Handlungsort recht erfrischend und schön beschrieben. Allerdings habe ich mich ein wenig gewundert, dass sich im gesamten Buch keine Karte dieser fiktiven, neuen Welt finden ließ (sowas habe ich sonst in Fantasybüchern doch recht gerne zur Orientierung. Quasi Standardausrüstung). Ansonsten bin ich sehr gut mit der erwähnten Umgebung zurecht gekommen. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung - ja, leider handelt es sich auch hier um den Auftakt einer neuen Reihe.

Fazit:


Wieder einmal eine sehr schöne Ausführung einer Geschichte für bücherliebende Menschen und solche die es werden wollen. Das Buch lädt garantiert zum Entdecken ein und gute Konzentration auf kleine Hinweise zahlt sich auf jeden Fall aus und sorgt für gute Unterhaltung.

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Titel: Ein Meer aus Tinte und Gold
Autorin Tracy Chee
Verlag: Carlsen
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Reiheninfo: Band 1/?

Mittwoch, 1. Februar 2017

Carry On [Rezension]

Mein "Auflesen" Motto des Monats Januar traf auch dieses (in meiner Lesegeschichte #3) Buch von Rainbow Rowell. Nachdem ich von Fangirl recht begeistert war, musste natürlich sogleich das Spin-Off davon her, das ich mir sogleich als ebook kaufte. Tatsächlich ist es dann zunächst beinah ein Jahr lang versumpft. Ich bin ausgesprochen froh, dass ich es wieder hervorgehoben habe.



Inhalt:


Trotz einer großen unmittelbaren Bedrohung besucht Simon Snow auch das letzte Jahr seine Schule für Zauberer. Neben der täglichen Gefahr durch das tückische Humdrum*, welches die ganze magische Welt zu verschlucken scheint hat er auch noch die Trennung von seiner Freundin und das Verschwinden seines Mitbewohners zu verarbeiten. Merkwürdigerweise scheint ihn jedoch letzteres am meisten zu belasten, obwohl er den hinterlisten Vampir Baz, mit dem er seit dem ersten Schultag sein Zimmer eigentlich abgrundtief hasst.


Mistys Meinung:


Da habe ich wohl eine etwas verwirrende Inhaltsangabe verfasst, aber es ist wirklich schwierig den Inhalt derart zusammen zu kürzen, daher möchte ich hier noch ein paar helfende Ausführungen machen. Zunächst einmal: ja, wir haben hier eine Art Harry Potter Abkupferung, sowohl was die Figuren, die magische Welt und natürlich auch die Zaubererschule angeht. Das ist von der Autorin absolut gewollt und bezieht sich auf die Fan Fiction, die ihre fiktive Hauptfigur in ihrem anderen Roman Fangirl verfasst. Das heißt wir haben hier die Fan Fiction einer fiktiven Harry-Potter-basierten Fanfiction. Das Highlight daran: Cath -die Protagonistin von Fangirl- verfasst eine Fanfiction in welcher die beiden männlichen Opponenten sich ineinander verlieben. Man stelle sich also eine Romanze zwischen Harry und Draco vor.

Nun zur eigentlichen Geschichte. Wie erwähnt hatte ich zunächst etwas Schwierigkeiten in die Geschichte zu kommen, auch für mich war es nicht ganz einfach eine Welt kennen zu lernen, die quasi im letzten Schuljahr einsteigt, Harry Potter und Hogwarts derart ähnelt und es doch nicht ist, weil ich die Figuren natürlich noch nicht so lange kenne. Erst als ich über die ersten 100 Seiten hinaus war konnte ich mich mit den Charakteren zurechtfinden und dank vieler Rückblicke auch die fehlenden Schuljahre aufholen. Erst ab diesem Zeitpunkt merkte ich so richtig, dass ich in gewisser Weise auch eine Parodie von HP vor mir hatte, was ich dank vieler witziger Seitenhiebe der Autorin doch sehr genossen habe.

Nebst der vielen humorvollen Stellen konnten für mich im Vergleich aber vor allem auch die Figuren und ihre ambivalenten Charakterzüge glänzen. Ganz im Unterschied zu Rowling haben wir in dieser Geschichte nämlich noch weit weniger Schwarz-Weiß Darstellungen, sondern viele Abstufungen und Entwicklungen. Auch die politischen Machtverhältnisse treten viel stärker in den Vordergrund und oft hatte ich das Gefühl hier auch eine geschichtliche Abhandlung von Revolution und Diktatur vor mir zu haben, magische Welt hin oder her. Das hat mich zwar in diesem Genre sehr überrascht, ich fand diese Mischung jedoch ausgesprochen gelungen.

In letzter Zeit scheine ich warm für Liebesgeschichten zu werden, wie mir scheint, denn auch diese hier fand ich ganz wundervoll. Die entsprechenden Konfliktpunkte der beiden Rivalen bietet natürlich eine tolle Basis für diverse Tauzieh-Momente, die die Autorin auch sehr geschickt nützt um Spannung zwischen den beiden aufzubauen. Besonders schön fand ich aber auch, dass endlich einmal nicht viel diskutiert wird à la "bin ich wirklich schwul?", sondern dass es schlichtweg von den Figuren so hingenommen wird. Angenehme Abwechslung.

Das Englisch ist wie üblich im Jugendbuchbereich eher leicht zu verstehen, ein paar Magiebegriffe kannte ich schon aus der Hogwartswelt, ein paar neue Wörter waren natürlich trotzdem dabei. Lest das Buch doch bitte und sagt mir wie ihr HUMDRUM in diesem Kontext übersetzen würdet.

Fazit:


Ein klares Monats- und womöglich sogar Jahreshighlight, dass aufgrund seiner überraschenden Komplexität hinsichlich der Figuren, der angenehmen Liebesgeschichte (frei von Kitsch; versprochen!) und der richtigen Portion an Spannung ein vollkommenes Lesevergnügen war.

*jeder der sich in der Lage fühlt The Insidious Humdrum gekonnt zu übersetzen, möge nun vortreten!

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Titel: Carry On
Autorin: Rainbow Rowell
Verlag: Macmillan
Sprache: Englisch
ebook: 529 Seiten

Dienstag, 31. Januar 2017

Gelesen im Januar [Statistik]

Gestern Neujahr und morgen Februar. Nicht nur was sich reimt ist gut, auch mein erstes Monat im diesem Jahr war es garantiert. Erstens wurde meine Stadt endlich mit dem nötigen Schnee versorgt, den ich bei allerlei Outdoor-Aktivitäten so richtig genießen konnte und zweitens waren auch meine Lesestündchen recht ausgedehnt.




  • Nicolya Yoon: The Sun is also a Star
  • Karen Duve: Die entführte Prinzessin
  • Rainbow Rowell: Carry On
  • Traci Chee: Ein Meer aus Tinte und Gold
  • Eddy Simon: Zorngebete
  • Christophe Bec: Die schwarzen Moore
  • Sylvain Runberg, François Miville-Deschênes: Reconquista 1

  • Gelesene Bücher: 4
  • Gelesene Comics: 3
  • Gelesene Seiten: 2017
  • Gelesene Seiten/Tag: 65

An dieser Stelle in kurzes, dämliches lol. Ich habe wirklich 2017 Seiten gelesen (habe ich auch erst jetzt beim Addieren meiner Bücher festgestellt). Yep. Was für ein Jahreseinstieg. Irgendeine Medaille hätte ich verdient. Eindeutig.

Abgesehen von dieser sehr gelungenen Zahl habe ich für meine Verhältnisse im Schnitt vor allem wirklich viel gelesen, was vor allem der Woche Zeitausgleich, die ich nehmen konnte, geschuldet war. Medienmäßig war es zudem ausgesprochen abwechslungsreich, 3 Prints, 1 ebook und 3 Comics ist garantiert eine gesunde Mischung. Zudem hätte ich fast mein aktuelles Hörbuch noch beendet, doch wegen der verbliebenen Kapitel wird es doch erst in den Februar fallen.

Im Detail betrachtet beginne ich mit den Comics, hier waren wirklich ganz unterschiedliche Genres vertreten, hatte ich ein wenig Horror mit Die schwarzen Moore (Rezension), ein bisschen historische Action mit dem ersten Band der Reconquista Reihe und eine recht tiefsinnige, aufwühlende Adaption des Romans Zorngebete. Die Moore fand ich dank der Zeichnungen gelungen, allerdings war der Plot für mich nicht ganz ausgefeilt. Reconquista war mir was die Präsentation der weiblichen Körper betrifft doch ein wenig zu wenig abwechslungsreich (Brüste auf jeder Seite langweilen ein wenig - sorry), dafür interessierten mich die zahlreichen Bestien sehr. In diesem Fall muss ich mir überlegen, ob ich die Reihe fortsetzen werde. Bestien trotz Brüsten? Man wird sehen. In eine ganz andere Richtung schlug Zorngebete und ich denke, dass dieser Comic wohl mein Monatsfavorit war, obwohl ihn in einer Rezension sicherlich noch einmal in Ruhe verarbeiten muss, das Thema ist wirklich nicht so leicht verdaulich.

Die klassischen Bücher hatten mit The Sun is also a Star (Rezension) nur einen Dämpfer dabei, das war leider so gar nicht mein Geschmack. Carry On hingegen war ein absoluter Hit (Rezension folgt morgen), ich bin wirklich seeeeehr froh, dass ich es weiter gelesen habe. Einen netten Fantasy Spaß für Zwischendurch erwischte ich dank Die entführte Prinzessin (Rezension), das ich auf jeden Fall auch empfehlen kann. Eine wundervolle abschließende Krönung war schließlich Ein Meer aus Tinte und Gold, von dem ich mir nicht soviel Abwechslung und Lesespaß erhofft hätte. Sicherlich ein sehr gelungenes, fantasievolles Jugendbuch. Auch ein großer Lesetipp von mir!

Somit entlasse ich mich in einen weiteren, hoffentlich ebenso abwechslungsreichen Monat und freue mich diesmal vor allem auf einige Mangas (die werden nun nämlich auch zu meiner Lesebeute erklärt!).